Sambatrasse Wuppertal

Sambatrasse Wuppertal

Ich war mal wieder in der 2. Klasse unterwegs. Aber diesmal ist das gute 26 Jahre her. 1988, kurz vor der Stilllegung der Sambatrasse Wuppertal, bin ich die Strecke noch einmal mit dem Uerdinger Schienenbus, dem berühmten roten VT 95, hinauf nach Wuppertal-Cronenberg gewackelt und wieder retour. Von Wuppertal-Elberfeld über Hindenburgstraße und Burgholz bis hinauf zum Endpunkt. Was ich für die Fahrkarte bezahlt habe, dass weiß ich nicht mehr. Jedenfalls würde ich für den damaligen Preis heutzutage nicht mal mehr…einen gemütlichen Piss in einem Bahnhof bei rail & fresh bekommen. Aber ich schweife ab…

Tanze Samba mit mir…

Zum ersten Mal seit damals bewältige ich wieder die Sambatrasse Wuppertal. Diesmal in umgekehrter Richtung und zu Fuß. Ein leises Kopfschütteln und ein smartes Lächeln gelingen mir unbewusst, als mir durch den Kopf schießt, dass zwischen damals und heute mehr als ein Vierteljahrhundert liegt. Ich werde alt. Aber ich werde auch melancholisch wenn ich daran denke, dass ich weiland mit meinem besten Freund Uwe die Strecke gefahren bin. Und er…ist schon viele Jahre tot.
Ab geht es, über den ehemaligen Bahnübergang in Cronenfeld zum ebenso ehemaligen Haltepunkt Cronenfeld, von dem nur noch der „Bahnsteig“ existiert. Ich mache an dem Wegweiser Fotos und ein nettes älteres Ehepaar spricht mich an und Sie fragt mich, was ich dorten sehe. Eine Schiene, erkläre ich ihr, die ich mittels Fokus so aufnehme, dass sie in die Ferne unscharf wird. Mit höflichem Gruß verabschieden sich die beiden. Sie sehe ich noch zwei- oder dreimal unterwegs, wenn man sich überholt. Jedesmal grüßt man sich. Nette Leute dort auf den Südhöhen, denke ich.
Und ich renne weiter über die Sambatrasse Wuppertal. Vor allem Frauen führen ihre Hunde Gassi, bleiben an jedem dritten Baum stehen, manche reden miteinander. Ein paar Jogger schwitzen sich die armen Seelen aus dem malträtierten Leibe. Eine junge Frau macht seltsam anmutende Dehnübungen an einem Baumstumpf. Diese Verrenkungen hätte ich zu gern gefilmt! Einige Leute führen ihre Stöckchen spazieren: nordic walking. Vor allem Jüngere fahren mit Mountainbikes die Trasse hinauf. Hinunter schaffen das auch betagtere Pedaleure. Um es mit Woody Allen zu sagen: ich ziehe da Muskelschwund vor!

Von Küllenhahn abwärts

Es wird sportlicher. Ich eile am Freibad Neuenhof vorbei, passiere die Müllverbrennungsanlage und sehe in der Ferne den alten Bahnhof Küllenhahn. Die Strecke ist sowieso recht hügelig, aber nun wird es noch ein wenig achterbahnartiger und mir kommen verstärkt Jogger entgegen. Und nicht nur die. Fahradfahrer beiden Geschlechts wuchten sich den Hügel hinauf, als bezwingen sie gerade L’Alpe d’Huez. Ein Mann kommt mir auf Sommerlanglaufbrettern entgegen und kämpft eher mit der Technik und dem Gleichgewicht, als mit der Steigung. Aber er hält sich tapfer und bleibt senkrecht!
Ich passiere die Gärten, staune über den Einfallsreichtum, mit dem die Leute ihre Hütten verziert haben, wandere Richtung Gaststätte Burgholz, wo weiland unser aller Gensch-Man ein Bierchen schlürfte, und…heraus tritt eine Wandergruppe, bestehend aus sicher 15 späten Mädchen, und sie bringen einer der Ihren ein Ständchen: „Viel Glück und viel Segen“. Kanon ohne Ende…
Ein stiernackiger und stark schwitzender Typ joggt mir in einem Tempo entgegen, dass ihn die Regenwürmer abhängen würden, und ich muss grinsen…im selben Tempo spurtete er mir nur einen Tag zuvor auf der Nordbahntrasse entgegen. Der Mann hat Ausdauer…

Tiger im Tank

Bergab spaziert es sich leicht, und ich mache kurz einen Abstecher hinauf zur Kaisereiche, die 1871 von Primanern des heutigen Wilhelm-Dörpfeld-Gymnasiums gepflanzt wurde. Wie wir Eichen halt so sind…ziemlich knorrig aber nicht kaputt zu kriegen!
Weiter geht es an der L74 entlang um Boltenberg herum Richtung Zoo. Der Bergische Diecher latscht im Kreise herum und lässt sich willenlos ablichten. Doch der Hunger treibt mich voran. An der Hindenburgstraße ist die Trasse zu Ende. Es ist geschafft…die Sambatrasse Wuppertal bezwungen!
Auf zu neuen…Wegen.

An dieser Stelle muss ich einen Link teilen. Eine mit viel Liebe und Wissen erstellte Webseite über die Bahnen hier im Tal. Mein Kompliment! Cronenberger-Strecke

bis gleich…

André