Das Parkstadion Gelsenkirchen

Die Ruine auf Schalke

Warum müssen Menschen alles mit Tradition und Geschichte immer gleich abreißen?
Wehmut durchströmte mich, als ich das Parkstadion Gelsenkirchen in diesem Zustand sehen musste. Ok, das letzte Bundesligaspiel des FC Schalke 04 in der Schüssel war jenes, als man Meister der Herzen wurde. Dass ausgerechnet die Bayern Meister der Liga wurde, und noch viel ausgerechneter bei meinem HSV, dafür schäme ich mich noch heute! Aber gleich mit der Abrissbirne kommen…Erinnerungen, auch und vor allem negative, kann man nicht zerlegen!!!
So stand ich da, den Kragen meines Mantels hoch geschlagen, fröstelnd und in Erinnerungen versunken, denn auch in diesem Stadion bin ich gewesen. Es muss 1991 gewesen sein, an einem kalten Donnerstagabend im Dezember. Mit meinem leider viel zu früh verstorbenen Freund Uwe und ’ner Horde Schalker stand ich frierend im weiten Rund. Man spielte gegen Eintracht Frankfurt. Warum ich das noch weiß? Weil Charly Neumann, der mit der eigenen Brücke, damals als Nikolaus verkleidet in der Halbzeitpause auf einem Wagen um die Laufbahn fuhr, und Schokoläuse ins Publikum warf! Natürlich nur da wo Schalker standen!!! (Okok…die Eintrittskarte hab ich auch noch…)

Ausgleichende Gerechtigkeit

Den Ausgleich der Knappen erlebten wir…nicht im Parkstadion Gelsenkirchen, sondern auf dem Parkplatz Gelsenkirchen, da die befahrzeugten Superfans nicht in den Stau kommen wollten, und wir so um die 85. Minute das Stadion verließen. Und dann…ein Schrei aus 10.000den Kehlen! Was konnten die Leute plötzlich rennen! Auto auf, Radio an…1:1 in der 89ten!
Ich bleibe immer und überall bis zum Ende! Ok…hab ja auch keinen Führerschein, aber wer schon einmal mit 1.000 siegestrunkenen Gegnern ’ne U-Bahn teilte, der weiß auch, dass Stau auf der Autobahn durchaus eine Alternative sein kann!!!
Gegen die Bayern blieben wir bis zum Schlusspfiff, sahen diesmal den späten Ausgleich der Knappen, mussten also nicht aufs Radio zurückgreifen! (Standen dafür auch weit über ’ner Stunde im Stau!) Das war im Februar 1992. 12 Mark haben die Karten gekostet. Heute 6,14 Euro! Heute kost nen Stehplatz auf Schalke 15,50 Euro. Also saloppe 30,32 Märker!!! Da weiß man sofort warum die Politiknasen immer sagen, man solle nicht umrechnen, woll?

Es grünt so grau…

Tja…nun stehen nur noch die Ost-Tribüne und die beiden Ebbe- und Flutlichtmasten an der ehemaligen Nord-Tribüne des Parkstadion Gelsenkirchen. Immerhin hat man den Rasen liegen lassen! Jenes Geläuf, über das weiland Norbert Nigbur hechtete (war mein Vorbild, als ich in der D-Jugend manch Fliege fing!), über das der auch so jung gestorbene Aki Lütkebohmert rannte, wo Abramczik flankte, Klaus Fischer fallrückzieherte, über das Rolli Rüssmann (der Schwelmer, neben dem ich mal auf dem dortigen Heimatfest am Schießstand versagte! R.I.P.) pflügte, Reinhard Libuda dribbelte, wo Olaf Thon gegen die Bayern im Pokal 7 der 6 Tore beim legendären 6:6 erzielte, über das Roberto Rivelino (den der göttliche Maradona sein Vorbild nennt) bei der WM ’74 gegen Zaire tänzelte…

Übrigens…

Herbert Burdenkski war übrigens der erste Torschütze für die deutsche Nationalmannschaft nach dem Zweiten Weltkrieg. Und noch Pappa von Dieter Burdenski, dem ehemaligen Torwächter von Werder Bremen. Und…2 Jahre Trainer des WSV!

bis gleich…